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Wie die Budapester Oper eine Aufführung von „Porgy and Bess“ rechtfertigt

in Theater und Oper 11.04.2019 11:16
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

Weiß und trotzdem Afroamerikaner

„Porgy and Bess“ von George Gershwin zählt zu den eher wenigen Opern des 20. Jahrhunderts, deren Musik selbst an denen nicht vorübergeht, die sich für Musiktheater eigentlich nicht interessieren.

und auch Songs wie „I got plenty o’ nuttin’“ oder „I loves you, Porgy“ sind Ohrwürmer.

Das Stück vom Leben der Afroamerikaner im US-Süden des späten 19. Jahrhunderts könnte womöglich noch bekannter sein, würde seine Aufführung nicht einer Beschränkung unterliegen, auf der die Gershwin-Erben bestehen: Auf der Bühne darf „Porgy and Bess“ nur von Darstellern mit schwarzer Hautfarbe aufgeführt werden. Das schränkt die Zahl der Inszenierungen natürlich drastisch ein, denn zumindest in Europa ist diese Vorgabe gerade von mittleren und kleinen Häusern, die ihre Opernproduktionen aus dem eigenen Ensemble heraus besetzen, kaum zu realisieren.

An der Ungarischen Staatsoper in Budapest schert man sich jedoch nicht um solche Verfügungen. Seit einem Jahr wird dort „Porgy and Bess“ ausschließlich mit weißen Sängern gegeben. Inzwischen scheint das den Rechte-Inhabern zu Ohren gekommen zu sein, und ganz offensichtlich bahnt sich ein juristischer Streit an, denn in Budapest hat die Staatsoper auf skurrile Weise regiert.

In schriftlichen Erklärungen nämlich haben Sänger, die an der Aufführung beteiligt sind, sich als Afroamerikaner bezeichnet. Die dpa berichtet, in ungarischen Medien sei massiver Druck auf das künstlerische Personal ausgeübt worden, letztlich jedoch hätten lediglich 15 von insgesamt 28 Darstellern die Erklärung unterzeichnet. Darin bescheinigt der Unterzeichnende, dass „afroamerikanische Herkunft und Bewusstsein“ einen „untrennbaren Teil“ seiner eigenen Identität bilde.

Szilveszter Okovacs, der Intendant der Staatsoper, der die Erklärung publik machte, verkündete im ungarischen Fernsehen: „In Ungarn gibt es kein Hautfarben-Register.“ Eine bemerkenswerte Rechtfertigung, die eher wie ein trotziges „Wir lassen uns nichts vorschreiben“ klingt denn als ein Bekenntnis zu liberalen Grundsätzen. Bemerkenswert vor allem deshalb, weil Okovacs als Protegé von Viktor Orbán gilt, dem ebenso nationalistischen wie fremdenfeindlichen Ministerpräsidenten des Landes. Dass das Opernhaus auch recht schnell einknicken kann, wurde letztes Jahr offenkundig, als dort das von Elton John komponierte Musical „Billy Elliot“ auf die Bühne kam. Eine regierungstreue Zeitung entfesselte eine Kampagne gegen das Stück, woraufhin die Staatsoper mehr als ein Dutzend Spieltermine strich.


Liebe Grüße
Peter
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