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Der große Unterschied

in schon gehört....? 22.03.2019 16:24
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

Zu den größten Unterschieden zwischen Deutschland und Österreich gehört ja das Verhältnis zum Gewinnen. In Deutschland ist die Sache schnell erklärt, hier liebt man Platz eins. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es um Fußball geht, um die Exportstatistik oder den Song Contest. Deutschland ist gern vorne.

Man wirft zum Beispiel alte Spieler aus der Mannschaft oder castet neue Mädchenbands. Nützt das nichts, versucht man was anderes. Man ackert so lange, bis man zwangsläufig irgendwann mal wieder gewinnt. Dann freut man sich. Kurz darauf fängt man an, sich Gedanken zu machen, wie man sicherstellen könnte, dass man auch beim nächsten Mal wieder gewinnt.

In Österreich findet man Gewinnen auch nett. Wenn es sich ergibt. Oft ergibt es sich nicht. Das macht dann auch nix, denn noch mehr als das Gewinnen begeistert die österreichische Seele eine epische Niederlage. Beim Fußball zum Beispiel gibt es nur einen einzigen Sieg, der im kollektiven Gedächtnis eine Rolle spielt, der ist mehr als 40 Jahre her. (Córdoba 1978, Sie wissen schon...) Dagegen aber eine ganze Reihe legendärer Niederlagen. Das 0:1 gegen die Färöer Inseln! Unser 0:9 gegen Spanien! Da werden Erinnerungen wach, da kommt Nostalgie auf! Toni Pfeffer, der Verteidiger, der damals beim Halbzeitstand von 0:5 trocken analysiert hat, dass man jetzt wohl eher nicht mehr hoch gewinnen werde – das ist ein echter österreichischer Held.

Wer die Ästhetik eines spektakulären Untergangs zu würdigen weiß, hat es im Alltag natürlich viel leichter. Man kann dann auch den Weg zur erwartbaren Niederlage ganz anders genießen. So wie Karl Habsburg. Der Enkel des letzten regierenden österreichischen Kaisers ließ in dieser Woche mitteilen, dass er gegen ein Urteil des Landesverwaltungsgerichts in Wien Berufung einlegen wird. Das hatte ihn verurteilt, weil Habsburg eine Website unter dem Namen karlvonhabsburg.at betreibt. Das „von“ im Namen zu führen ist in Österreich aber verboten und zwar schon seit sehr, sehr langer Zeit. So lange, dass die Strafe in dem entsprechenden Adelsaufhebungsgesetz noch in Kronen angegeben ist. Weil man 20.000 Kronen nun aber heute nicht mehr eintreiben kann, müsste Habsburg trotz der Verurteilung gar keine Strafe bezahlen. Wirtschaftlich betrachtet könnte er sich das Berufungsverfahren also sparen. Warum also das Theater? Er finde die Causa nun mal unterhaltsam, sagt Habsburg.

Das könnte man jetzt absurd nennen oder die Verschwendung von Steuergeld in einem unnötigen juristischen Scharmützel beklagen. Man darf aber auch anerkennen: Es ist halt auch sehr, sehr österreichisch – im allerbesten Sinn.

Ich wünsche Ihnen ein ausgezeichnetes Wochenende. Falls es trotzdem nicht läuft wie erhofft, halten Sie es einfach mit der österreichischen Begeisterung für das eigene Scheitern. Und wenn Sie den Umgang mit Sieg und Niederlage direkt vergleichen wollen: Am Sonntag spielen sowohl die deutsche als auch die österreichische Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation.


Liebe Grüße
Peter
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