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#1

Corona und die Hass-Epidemie

in Ich sag mal so... 13.05.2020 15:59
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

In der Corona-Krise haben auch Judenhasser, Fremdenfeinde und Rechtsradikale Konjunktur. Sie nutzen die tiefe Verunsicherung vieler Menschen, um alte Verschwörungsmythen in neuem Gewand zu verbreiten. Vielen der kruden Thesen, die die Pandemie als das Werk finsterer Mächte darstellen, liegt letztlich die Mär von der angeblichen jüdischen Weltverschwörung zugrunde.

Der gefährliche Unfug, der jetzt im Internet oder bei Demonstrationen gegen die Infektionsschutzmaßnahmen laut wird, hat viele Ausprägungen. Dass das Coronavirus in manchen der Mythen gar nicht existiert oder völlig harmlos ist, in anderen aber angeblichen teuflischen Plänen dient, Teile der Bevölkerung „auszurotten“ oder „auszutauschen“, muss für echte Verschwörungsgläubige kein Widerspruch sein. Einig sind sie sich nur, dass es für alles Schlechte Schuldige geben muss. Das zeigt sich auch, wenn heute asiatisch aussehende Menschen angefeindet und als „Virus“ beschimpft werden. Die Corona-Epidemie ist schlimm genug. Wir alle müssen jetzt dazu beitragen, dass sie nicht zu einer neuerlichen Epidemie des Fremdenhasses führt. Indem wir überall dort, wo Antisemitismus und Rassismus laut werden, noch lauter widersprechen.


Liebe Grüße
Peter
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#2

RE: Corona und die Hass-Epidemie /Alter Judenhass im neuen Corona-Gewand

in Ich sag mal so... 13.05.2020 16:05
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

Hintergrund Rechte Gewalt nimmt leicht ab, doch Experte warnt vor Ausbreitung antisemitischer Verschwörungsmythen


Berlin Judenhass und Fremdenfeindlichkeit könnten durch die Corona-Krise weiter zunehmen – davor warnen die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt. Denn auf vielen Demonstrationen gegen die Infektionsschutzmaßnahmen würden alte antisemitische und rassistische Verschwörungstheorien in neuem Gewand verbreitet.

So wachse die Gefahr von Terrorakten, warnte der Politikwissenschaftler Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum der Universität Potsdam. Bei der Vorstellung des Jahresberichts des Dachverbands der Opferberatungsstellen VBRG sagte er: „Bei einigen Protesten gegen die Infektionsschutzmaßnahmen der letzten Wochen tritt, bei aller Unterschiedlichkeit der Teilnehmenden, der dauernd latent vorhandene Antisemitismus hinter dem Verschwörungsdenken nun offen zutage.“ Ein „ganzer Wust“ an Verschwörungsmythen hänge sich nun am Corona-Thema auf, etwa der Glaube an ein angebliches Komplott, das das Ziel habe, die Bevölkerung in Deutschland und anderen westlichen Ländern „auszutauschen“ und eine Diktatur zu errichten. Botsch weiter: „Die sehr rasante Dynamik der Aufheizung seit rund drei Wochen – von Regelverletzungen über aggressives Verhalten und Drohungen bis zu ersten Gewalttaten – lässt neue rechtsterroristische Radikalisierungsschübe befürchten.“

Für das Jahr 2019 verzeichnet der Dachverband VBRG die Zahl von 1347 rechtsextremistisch, rassistisch oder antisemitisch motivierten Angriffen mit insgesamt 1982 direkt Betroffenen. „Damit wurden in der Hälfte aller Bundesländer im Jahr 2019 täglich mindestens fünf Menschen Opfer rechter Gewalt“, sagte Vorstandsmitglied Judith Porath.

Der Verband erhebt die Zahlen in nur acht von 16 Bundesländern – den fünf ostdeutschen sowie Berlin, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Beratungsstellen gebe es aber auch außerhalb dieser Länder, doch die hätten nicht die Kapazitäten, sich an der Erhebung zu beteiligen. Die Zahl der Angriffe, so Porath, sei zwar im Vergleich zu 2018 um zehn Prozent zurückgegangen. „Doch für die Betroffenen hat sich die Bedrohungslage enorm verschärft, viele Menschen haben Angst um ihr Leben“, sagte Porath.

Der Alltagsrassismus nehme zu, und tödliche Attentate sorgten für Furcht. So starben 2019 drei Menschen als Opfer von Rechtsterrorismus. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke sei im Juni „regelrecht hingerichtet“ worden, so Porath. Dringend tatverdächtig sind aktenkundige Neonazis. Und im Oktober starben beim antisemitisch motivierten Attentat in Halle zwei Menschen. Nur durch glückliche Umstände hätten mehr als 50 Menschen in der Synagoge den Anschlag überlebt. Die Entwicklung in den untersuchten Bundesländern ist nach Angaben des Dachverbands uneinheitlich. Gemessen an der Einwohnerzahl hat rassistische und rechte Gewalt in Berlin besonders stark zugenommen – um 26 Prozent. 10,7 Angriffe wurden pro 100 000 Einwohner in der Hauptstadt gezählt. In Sachsen-Anhalt gab es demnach 6,0, in Brandenburg 5,6, in Sachsen und in Mecklenburg-Vorpommern jeweils 5,5 und in Thüringen 5,0 Angriffe pro 100 000 Einwohner. In Schleswig-Holstein (1,9) und Nordrhein-Westfalen (1,1) bewegen sich die Zahlen auf deutlich niedrigerem Niveau. Porath geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn nicht jedes Opfer rassistischer Gewalt melde den Vorfall auch. Von Bernhard Junginger


Liebe Grüße
Peter
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