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Der Übergang zum ewigen Leben

in Die evangelische und katholische Welt auch in Ungarn 02.11.2019 17:43
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

Kein anderer Monat konfrontiert uns so sehr mit unserer Endlich- und Sterblichkeit, wie der November. Die Gräbersegnung an Allerheiligen, das Totengedenken an Allerseelen und der Totensonntag Mitte November rücken das Tabuthema unserer Gesellschaft schlechthin, den Tod, in den Mittelpunkt.

Für uns Christen ist das eigentlich kein Tabuthema und auch nicht das letzte Wort, sondern der Übergang vom irdischen, zum ewigen Leben. Aber was passiert nach dem Tod? Unser Glaube lehrt uns, dass zwar unser menschlicher Leib auf Erden zurückbleibt, die Seele aber zu Gott auffährt. Was passiert aber mit ihr dort? Kann sie direkt in das himmlische Reich einziehen oder kommt zuerst noch ein „Zwischenschritt“?

Die Antwort auf diese Frage, den nötigen Zwischenschritt/zustand, belegte das kirchliche Lehramt lange Zeit mit Schreckensbildern, die den Menschen Furcht und Angst einflößen sollten. Die Rede ist vom „Jüngsten Gericht“, dem „Fegfeuer“ und der „Hölle“. Aufgrund dieses Missbrauchs werden diese Begriffe heute von den meisten Gläubigen gemieden. Aber weder die Verzweckung noch die Tabuisierung, wird der Kernaussage dieser Lehre gerecht. Um diese aber erfassen zu können, ist es sinnvoll zunächst einmal auf die Wortbedeutung des „Fegfeuers“ im Lateinischen zu schauen; denn dort steht gar nichts von Feuer. Das lateinische Wort Purgatorium bedeutet nämlich: „Ort der Reinigung / der Läuterung“. Es ist demnach der Ort / der Zustand, in dem unsere Seele rein gewaschen wird, damit wir als Heilige im himmlischen Reich Wohnung nehmen können.

Nach dem Tod fährt unsere Seele auf zu Gott, wo sie vor das „Jüngste Gericht“ kommt. Dieser Gerichtshof urteilt aber nicht nach Maßstäben menschlicher Gesetzmäßigkeiten, sondern nach denen der göttlichen Barmherzigkeit. Am treffendsten ist dieses Gericht mit einem Spiegel zu vergleichen, in welchem wir nochmals auf unser gesamtes Leben zurückblicken. Dabei sehen wir, wie wir gelebt haben und zugleich aber auch, wie wir leben hätten sollen. Jeder Mensch bemerkt dabei sein persönliches Defizit zwischen Ideal und Wirklichkeit, da keiner ohne Sünde lebte; aber trotz der Sünden spricht Gott in Liebe sein vollkommenes „Ja“ zu einem jeden! Dieses „Ja“ Gottes erzeugt darauf beim Menschen einen Schmerz der Reue, da dieser das Bewusstsein weckt, wie oft wir uns zu Lebzeiten von dieser Liebe entfernt haben, was uns daran hindert dieses „Ja“ zu erwidern. Damit dies aber von menschlicher Seite aus dennoch geschehen kann, braucht es Zeit und ein Reinigungsmittel: Das Feuer der göttlichen Liebe, welches die Barmherzigkeits-Arznei für die menschliche Reuewunde ist. Nach dem Ausheilen und der Vernarbung, können wir zu Gott „Ja“ sagen und in seinem Reich Wohnung nehmen; dann sind wir Hausgenossen Gottes: Heilige!

Mithilfe einer Metapher möchte ich die Lehre vom Purgatorium noch verdeutlichen: mit dem Bild einer Berghütte. Wir Mensch verbringen unser irdisches Leben in einer bequemen und dunklen Berghütte. Mit dem Tod werden wir in die Weite und ins Sonnenlicht hinaus geführt. Da es in der Hütte aber düster war, ist es unmöglich, längere Zeit in den hellen weißen Schnee, geschweige denn direkt in die Sonne zu schauen, da dieses Licht in den Augen schmerzt. Erst mit der Zeit gewöhnen sich die Augen an das neue helle Umfeld, der Schmerz wird weniger, bis er vollkommen nachlässt und wir diese Sonne – Christus, die Sonne der Gerechtigkeit – als wohltuend und kraftspendend empfinden dürfen.


Liebe Grüße
Peter
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