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Ein guter Tag, um sich der eigenen Taufe bewusst zu werden

in Gott und die Welt 12.01.2020 11:55
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

Eines der großen Themen meines Theologiestudiums war das Sakrament der Taufe. In den unterschiedlichen Fächern der Theologie (Dogmatik, Kirchenrecht, Kirchengeschichte, Liturgie, Pastoraltheologie) wurde dieses Sakrament von den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet. In einer Vorlesung, die ich als Gast bei den Studierenden des Lehramtes besucht habe, fragte der Professor: „Wer von Ihnen kennt denn seinen Tauftag?“ – großes Schweigen war im Raum und es meldeten sich nur ein paar wenige. Der Professor kommentierte dies dann etwas zynisch mit den Worten: „Jaja, den Geburtstag, den auch jede Kuh hat, kennen Sie dann aber wieder ganz genau!“

Man kann sicherlich die Frage stellen, ob denn dieser Kommentar des Professors in seiner Schärfe wirklich angemessen war und sein musste, aber irgendwie hatte er auch recht. Denn ein jeder Mensch feiert seinen Geburtstag in vollen Zügen, der Tauftag ist dagegen in den wenigsten Fällen bekannt! Es scheint mit der Taufe so zu sein, dass dieses Lebensereignis wohlbehütet im Familienalbum ruht und der Taufschein erst wieder bei der kirchlichen Hochzeit für das Ehevorbereitungsprotokoll gebraucht wird. So richtig sind wir uns unserer Taufe gar nicht bewusst, da sie im Regelfall am Beginn des Lebens im Beisammensein des engsten Familienkreises gespendet wurde. Für den Großteil ist sie irgendwie etwas selbstverständliches, selten wird sie aber als eine äußerst bedeutende Weichenstellung im Leben wahrgenommen. Warum die Taufe einen solch hohen Stellenwert einnehmen sollte, erfährt man am besten, wenn man einmal darauf schaut, was nach Lehre der Kirche bei der Taufe passiert. Im Grunde genommen geschieht genau das, was uns das Matthäusevangelium am kommenden Sonntag, dem Fest Taufe des Herrn, von der Taufe Jesu berichtet. Da heißt es:

„Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“

Genau dies geschieht in dem Moment, in dem der Täufling bei der Taufe mit dem Wasser übergossen wird, der Himmel öffnet sich, der Geist Gottes kommt herab und die Worte, die von Gott an Jesus ergingen, ergehen auch an einen jeden von uns: „Du bist mein geliebter Sohn/Du bist meine geliebte Tochter an dem/der ich Gefallen gefunden habe.“ Wir werden in diesem Moment also zu einem Kind-Gottes und damit zugleich in die Gemeinschaft der Kinder-Gottes, dem gläubigen Volk Gottes, aufgenommen sowie aus den Verstrickungen des Bösen herausgeholt.

Dieses Kind-Gottes-Sein hört sich nicht nur schön an, sondern prägt dem Täufling auch ein Siegel ein, welches einem niemand mehr nehmen kann. Totalitäre Staaten können die Würde des Menschen in einer radikalen Art und Weise so definieren, dass sie nicht jedem Menschen zukommen oder sogar wieder abgesprochen werden kann; aber eines kann keine Diktatur der Welt! Sie kann einem getauften Christen niemals die Würde der Gottes-Kindschaft absprechen, welche wir einzig und allein von Gott im Moment unserer Taufe geschenkt bekommen haben.

Wäre daher der heutige Sonntag, dem Tag, an dem die Kirche der Taufe Jesu gedenkt, nicht ein guter Tag, um den eigenen Taufschein im Familienstammbuch aufzusuchen und uns unseres eigenen Tauftags bewusst zu werden? Wäre es nicht auch eine gute Idee, im kommenden Jahr auch unseren Tauftag ein wenig zu feiern?

Dies aber nicht mit einem großen Brimborium, sondern ganz für sich allein und mit dem (meinem Herrgott), der mir bei der Taufe die größte Würde verliehen hat, die ich als Mensch nur zugesprochen bekommen kann: ein Kind-Gottes zu sein!


Liebe Grüße
Peter
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