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Die Antwort auf die schönste Frage

in Die evangelische und katholische Welt auch in Ungarn 18.07.2020 18:20
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

Die schönste Frage, welche mir letztes Jahr über den Empfang der Diakonweihe gestellt wurde, kam von einer Studienfreundin, als wir nach der ergreifenden Weiheliturgie gemeinsam ins Priesterseminar zum Mittagessen gefahren sind: „An was denkt man eigentlich während der Prostratio?“ Also woran denkt man als Weihekandidat, wenn man während der Allerheiligenlitanei auf dem Boden liegt? „Du hast mich gerade nach dem Moment der Weiheliturgie gefragt, welcher für mich wirklich am schönsten und ergreifendsten war. Ich habe, während ich die Namen der Heiligen gehört habe, nur eines gedacht: „Mach mich zu einem Deiner Diener! Mach mich zu einem Deiner Heiligen!“

Diese Antwort war aber keine spontane Eingebung und erst recht keine fromme Floskel, sondern tatsächlich meine innere Einstellung, mit der ich mich nach den Weiheversprechen auf den Boden gelegt habe. Denn während der Weiheexerzitien, welche eine Woche zuvor im Schweigen stattgefunden hatten, thematisierte unser Spiritual Dr. Michael Lechner unter anderem auch Prostratio und Allerheiligenlitanei. Nach seinem Impulsvortrag machte ich mir den ganzen Nachmittag lang Gedanken darüber, was mir später durch den Kopf gehen könnte – oder besser gesagt, gehen sollte. Als ich dann abends zum Gebet in der Kapelle saß, fasste ich für mich den Vorsatz, nur an eine Bitte zu denken: „Mach mich zu einem Deiner Diener! Mach mich zu einem Deiner Heiligen!“

Auch wenn die eigentliche Weihespendung durch Handauflegung und das Weihegebet des Bischofs vollzogen wird – zumindest in meinen Augen kommt durch Prostratio und Allerheiligenlitanei am besten zum Ausdruck, was bei der Weihe geschieht: die Hingabe eines Menschen an Gott für den Dienst vor ihm und den Menschen in der Kirche. Dieser Dienst konkretisiert sich aber nicht darin, selbst der Macher oder Vollender zu sein, sondern lediglich ein kleiner Diener und Wegbereiter, ein kleines Sprachrohr. Auf diese Weise kann Gott durch ihn wirken und seinen Plan vollenden.

Sich in diesem Zusammenhang selbst zurückzunehmen, bedeutet aber nicht, dass man sich als Geistlicher auf die faule Haut legen darf, da man ja nur eine Handlanger-Funktion innehat. Ganz im Gegenteil: Gerade als ein Mensch, der die Nachfolge Jesu antritt, ist es unabdingbar, sein ganzes Herzblut in diese Handlanger-Funktion hineinzulegen.

Der heilige Ignatius von Loyola drückte das mit den Worten aus: „In allem lieben und in allem dienen“. Genau hier zeigt sich die Glaubwürdigkeit eines Geistlichen, ob er ein Liebender, ob er ein Dienender ist. Zuallererst muss er das gegenüber Gott sein. Er muss Gott lieben, sich aber auch von ihm lieben lassen, um ihm wirklich dienen zu können. Dadurch kann er dann seinen Dienst an den Menschen verrichten, indem er ihnen die Liebe Gottes bringt und verkündet, die er zuvor selbst empfangen hat.

Wenn ich am kommenden Sonntag bei der Prostratio zusammen mit meinen Kurskollegen wieder auf dem Boden liegen darf und die Heiligen um ihre Fürsprache angerufen werden, werde ich wieder dieselbe Bitte wie im vergangenen Jahr an Gott richten – aber dieses Mal mit einem kleinen Zusatz: „Mache mich zu einem Deiner Diener! Mache mich zu einem Deiner Heiligen, und schenke mir die Gnade in allem lieben und in allem dienen zu können!“


Liebe Grüße
Peter
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