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#1

Ein Jahr harte Arbeit in nur drei Strophen

in Ich sag mal so... 08.04.2021 16:49
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

„Im Märzen der Bauer“ ist immer noch beliebt – obwohl Landwirte ihre Felder längst mit Traktoren beackern. In der einstigen DDR gab es einen anderen Text

Schon lange spannt der Bauer im März keine „Rösslein“ mehr vor seinen Pflug. Heute sind es beeindruckende Pferdestärken, mit denen er seine „Wiesen instand“ setzt. Dennoch ist das Frühlingslied „Im Märzen der Bauer“ immer noch sehr beliebt. Der akzentuierte Dreivierteltakt und eine aufsteigende Dreiklangmelodik animieren zum Schunkeln und wirken belebend. Man kann sich gut „die „Bäuerin, die Mägde“ bei rhythmischer Arbeit vorstellen, wenn sie „graben und rechen und singen ein Lied“.
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Aufsteigende Melodien: das Frühlingslied „Im Märzen der Bauer“. Repro: H. Holstein
Der Text fasst allerdings ein ganzes Jahr harter Feldarbeit in nur drei Strophen zusammen. Es beschönigt die Mühen beim Bearbeiten des Bodens und geht an der Wirklichkeit des Bauernlebens vorbei. Das war zur Entstehungszeit des Liedes 1884 sicherlich auch schon so, als der Männergesangsverein Sternberg in Nordmähren aus der März-Strophe eines bekannten Kalender-Liedes („So hasset die Sorgen“) aus dem frühen 19. Jahrhundert ein eigenes Frühlingslied machte. Richtig populär wurde „Im Märzen der Bauer“, nachdem der sudetendeutsche Musikpädagoge Walter Hensel Text und Melodie überarbeitet und die Mechanisierung schon längst Einzug in die Landwirtschaft gehalten hatte. Hensel (1887 – 1956) war einer der führenden Köpfe der „Jugendmusikbewegung“ in den 1920er Jahren und veröffentlichte seine Fassung 1923. Gerade wegen seiner Einfachheit und Eingängigkeit ist es bis heute weit verbreitet und hat viele Adaptionen erfahren. „Wir sehen ein Stück heile, ländliche Welt“, sagt Christoph Lambertz von der Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben. „Klar, dass dies zum Um- und Weiterdichten animiert.“

So finde sich in einem Liederbuch für Jungpioniere in der DDR folgender Text auf die Bauer-Melodie: Ja, so war es einst, und die Arbeit war schwer. / Jetzt schaffen Traktoren und Mähdrescher mehr. / Und seit nun die Felder zusammengetan, / da kommt die Genossenschaft schneller voran.

In der Umweltbewegung der Bundesrepublik hingegen wurden in den 1980er Jahren kritische Verse geschmiedet, in denen der Bauer vom Traktor aus die Spritzmittel von Bayer und BASF verbreitet, berichtet Lambertz. (haho)

Angefügte Bilder:
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Liebe Grüße
Peter
zuletzt bearbeitet 08.04.2021 16:49 | nach oben springen

#2

Ein Turnfest machte diesen Kanon einst bekannt

in Ich sag mal so... 26.04.2021 18:05
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

„Es tönen die Lieder“ im fröhlichen Dreivierteltakt sollte einst Mädchen zum Tanzen bringen


Der Autor des Frühlingsliedes „Es tönen die Lieder“ ist zwar unbekannt. Man weiß jedoch, wann und wie der Kanon bekannt und beliebt wurde. Das geschah nicht etwa bei einem Sängertreffen. Laut dem historisch-kritischen Liederlexikon der Universität Freiburg ist es seit einem Festturnen im Dezember 1853 in Darmstadt nachweisbar. Der Turnpädagoge Adolf Spieß setzte es nicht nur gesungen, sondern auch mit besonderen Schrittfolgen ein, die jeder Zeile zugeordnet wurden. „Diese Kombination von Gesang und Turnen entsprach dem allgemeinen Konzept des Turnpädagogen, der seinerzeit als Initiator des Mädchenturnens und als Begründer des Turnens als Unterrichtsfach an Schulen in Erscheinung trat“, heißt es in dem Online-Lexikon.

Adolf Spieß setzte sich damit von „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn ab, der meist nur Jungen an Geräten turnen ließ. Sein Kollege aus Hessen konzipierte dagegen „Freiübungen“. Das sind Übungen ohne Turngerät, mit tänzerischen Elementen, die Spieß besonders für Mädchen geeignet hielt und die er „Reigen“ nannte. Als solcher wurde der Kanon aus dem Nachlass von Spieß 1869 mit den vorgesehenen Schrittfolgen veröffentlicht; später fand er Eingang in Schulliederbücher.

Der Kanon begrüßt in einem fröhlichen Dreivierteltakt den klangvollen Frühling. Obwohl man den Ursprung des Liedes in der Mitte des 19. Jahrhunderts vermutet, bringt der Text den Frühling mit einem der ältesten Instrumente in Verbindung: mit der Schalmei. Der Frühling erklingt mit Liedern, und ein Hirte spielt auf seiner Schalmei. Das hätten Hirten nicht nur zum Zeitvertreib und Nebenverdienst gemacht, erklärt Christoph Lambertz von der Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben. Er weist auf eine Rede zum Uracher Schäferfest von 1723 hin. Aus ihr geht hervor, dass der Musik schon damals eine wachstumsfördernde Wirkung zugedacht wurde. Mit Musik auf Schalmeien und Pfeifen wurden die Schafe angeblich „viel fetter und schöner“. Er erinnert auch an die Hirtendichtung und „Schäferspiele“ des Adels in der Barockzeit, in dem das Hirtenleben idealisiert als sorgenfreies Idyll dargestellt wurde.

Auf jeden Fall ist dieses Lied nichts für einen einzelnen Solisten auf einsamer Schäferwiese. Der Kanon lädt zum gemeinsamen Jubilieren und Musizieren ein, denn erst durch den nacheinander einsetzenden, dreistimmigen Gesang im Walzertakt macht das Frühlingslied richtig Spaß. Einfach mal ausprobieren ...
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So sehen die Noten des Kanons aus. Am besten mal ausprobieren ..


Liebe Grüße
Peter
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#3

Der Kuckuck singt – und auch das Herz

in Ich sag mal so... 19.05.2021 17:01
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

n „D’ Zyt isch do“ geht es um die besondere Jahreszeit – und noch etwas schönes Anderes

Auch in den Alpen wird der Frühling mit munteren Liedern empfangen. Der Schweizer Lehrer und Volksschriftsteller Josef Reinhart (1875 – 1957) aus Rüttenen hat genau hingehört und im Nussbaum und zwischen den weißen Blüten des Schlehdorns den Vogelgesang erlauscht, der die Frühlingszeit einläutet. In seinem Gedicht „D’ Zyt isch do“ ist wie schon in vielen vorangegangenen Liedern unserer Reihe auch wieder der Kuckuck der Botschafter des Frühlings.

In der Melodie, die der Schweizer Komponist und Volksliedsammler Casimir Meister (1869 –1941) auf den Text geschrieben hat, findet sich gleich im ersten Takt dann auch die charakteristische kleine Terz für den Kuckuck wieder.

Das Lied mit dem fröhlichen Hopser-Rhythmus im Zwei-Viertel-Takt erschien 1914 in Bern zum ersten Mal in dem Buch „Liedli ab em Land“ mit schweizerischen Mundartgedichten von Josef Reinhart im Druck. Ab den 1930er Jahren bis heute ist „D’ Zyt isch do“ in zahlreichen Liederbüchern im deutschsprachigen Raum vertreten – vor allem da, wo alemannische Mundarten gesprochen werden, wie Evi Heigl von der Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben weiß. Also zum Beispiel in der Schweiz, in Vorarlberg, in Teilen Baden-Württembergs und dem Elsass. „Auch im Allgäu, das zum alemannischen Sprachraum gehört, wurde das Lied aufgrund der sprachlichen Nähe beliebt“, sagt die Musikethnologin. Kraftvoll und heiter begrüßt es nicht nur den Frühling. Für etwas anderes ist auch die Zeit gekommen („D’ Zyt isch do“), nämlich für die Liebe.

Nicht nur der Kuckuck singt, auch das Herz. Mit dem Frühling keimt die Liebe wieder auf. Egal ob das Laub schon an den Bäumen ist oder noch Schnee auf dem Zaun, das Herz ist an Maientagen schon längst bereit für die Liebe.

„Die ersten Takte der Liedmelodie von D’ Zyt isch do erklangen von 1926 bis 1966 übrigens als Pausenzeichen von Radio Bern“, hat Evi Heigl herausgefunden. Die legendären melodiösen Pausenzeichen wurden damals durch ein mechanisches Werk erzeugt, ähnlich einer Musikdose.
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Das ist der Notentext des Liedes „D’ Zyt isch do“. Gleich in Takt eins und zwei erklingt der typische Kuckucks-Ruf. Repro: Lambertz/Holstein


Liebe Grüße
Peter
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#4

Kurioser Sängerstreit in der schönen Maienzeit

in Ich sag mal so... 23.05.2021 19:30
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

Wie ein ungleiches Tier-Paar zum Loblied zusammenfindet: Der Kuckuck und der Esel

Von Harald Holstein

Der Esel steht zwar nicht wie der Zugvogel Kuckuck für die Ankunft des Frühlings. Doch freut er sich wie alle anderen Tiere auch über den Beginn der wärmeren Jahreszeit. Zumindest im letzten Lied unserer Serie mit Frühlingsliedern „Der Kuckuck und der Esel“ geht dem Daheimgebliebenen das Herz über, und der blühende Frühling entlockt seiner Kehle freudigen Gesang. Doch der aus dem Süden weit angereiste Kuckuck ist überzeugt, dass er „wohl am besten sänge zur schönen Maienzeit“.

Wer in Liedern so oft als Botschafter des Frühlings gefeiert und besungen wird, dem fehlt es freilich nicht an Selbstbewusstsein, und so legt der Kuckuck gleich los, seine kleine Terz abwärts „zu schreien“, wie es der Liedtext nennt. Doch auch der Esel kann sein „ia“ herauskrächzen und fällt gleich mit in den Gesang ein. So findet das Lied einen gewiss ironischen Abschluss, wenn es in der letzten Strophe heißt: „Das klang so schön und lieblich, so schön von fern und nah. Sie sangen alle beide Kuckuck, Kuckuck, ia.“

Melodie auf Goethe-Gedicht

Die Melodie des Liedes stammt von dem Musikpädagogen, Komponisten und Dirigenten Carl Friedrich Zelter (1758 - 1832), der sie ursprünglich 1810 auf ein Scherzgedicht von Goethe geschrieben hatte. Der Freund des Dichterfürsten hat auch Goethes „Erlkönig“ und „Wanderers Nachtlied“ vertont. Doch wieder war es der Dichter und Liedersammler August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1789 - 1874), der 1837 Zelters Melodie aufgriff und ein Gedicht über den Sängerwettstreit zwischen Kuckuck und Esel darauf verfasste.

Wer sich mit populärem Liedgut befasst, kommt um den politisch engagierten Germanisten aus Fallersleben nicht herum. Neben seiner politischen Lyrik soll er über 500 Kinderlieder geschrieben haben. „Angestoßen durch die Serie habe ich mich nach längerer Zeit mal wieder mit Hoffmann beschäftigt“, sagt Christoph Lambertz von der Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirk Schwaben. Es sei doch erstaunlich, dass viele seiner Lieder nach fast 200 Jahren immer noch bekannt sind und gesungen werden. „Im Fall von ,Der Kuckuck und der Esel’ kann ich aus eigener Beobachtung sagen, dass das Lied von Kindern auch heute noch sehr gern gesungen wird. Das spricht doch für die Qualität seiner Lieder.“
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Liebe Grüße
Peter
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