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#1

„Weil wir plötzlich Gott darin erkennen“

in Gott und die Welt 10.04.2021 16:31
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

„Kinder“, rief er ihnen zu, „habt ihr nicht ein paar Fische für das Frühstück?“– „Nein“, riefen sie zurück, „nicht einen einzigen!“

Diese Zeilen klingen wie aus einem Roman oder einem Film entnommen.

Vielleicht kennen Sie aber die Stelle, die im Johannesevangelium steht und beschreibt, wie Jesus seinen ehemaligen Jüngern am See von Tiberias begegnet. Er ermutigt sie ein weiteres Mal hinauszufahren und tatsächlich: Sie fangen unzählige Fische. Aber als sie dann an Land kommen, da hat der Unbekannte, in dem sie schließlich Jesus erkennen, bereits Fische gebraten. Sie liegen schon auf dem Feuer bereit und Brot gibt es auch. Liebevoll reicht Jesus den Jüngern Fisch und Brot.

Freilich erinnert diese Geschichte an ihre Berufung. Damals fischten sie auch unzählige Fische, um dann festzustellen, dass es gar nicht darum ging, sondern dass sie zu einem anderen Dienst berufen waren, nämlich Jesus und damit Gott zu dienen. Und hier? Ähnlich ist, dass es wieder gar nicht um ihren Fang geht, sondern vielmehr um die Erfahrung, versorgt zu werden.

Diese Szene finde ich unglaublich anrührend. Auf der einen Seite ist sie so alltäglich wie das Frühstück, das zu Hause hergerichtet wird und auf der anderen Seite so wunderlich, weil es Gottes Sohn ist, der sie zum Essen einlädt.

Was würde Jesus heute rufen? „Habt ihr schon einen Impftermin?“ Und wir würden sagen: „Nein, immer noch nicht.“ Oder „Könnt ihr euren Laden schon wieder aufmachen?“ Und man müsste antworten: „Der Lockdown geht immer weiter.“ Diese Pandemie zieht sich wie Kaugummi und langsam schwindet die Hoffnung, dass alles noch je gut werden könnte. Genauso mögen sich die Jünger gefühlt haben nach einer langen Nacht, in der sie nichts gefischt haben. Und dann steht da einer gut gelaunt und fragt sie, ob sie mit ihm frühstücken wollen.

Diese Sorglosigkeit, diese liebevolle gute Laune, dieses: Ich bin doch da! Das könnten wir jetzt gut gebrauchen. Und tatsächlich passiert das auch jeden Tag irgendwo. Da erfährt ein Gästehausbetreiber, wie viele ihm spenden, damit er auch nach dem Lockdown noch aufmachen kann, da ist die Nachbarin, die einem die Kinder abnimmt. Der Arbeitgeber, der einem einen Tag freigibt und so weiter. Mal ist es der eine, der den anderen auffängt, mal der andere. Jede und jeder von uns hat eine Nacht, in der man nichts fängt, oder anders gesagt, die Geduld verliert, über diese ganz Situation einfach nur wütend ist. Und jeder von uns hat Tage, an denen man sagt. Komm her. Ich hab was für dich. Lass es dir einfach mal gut gehen. Kleine Zeichen der Hinwendung, können einen nach einer langen Nacht wieder aufstehen lassen. Und sie sind so wunderlich wie jener Morgen. So selbstverständlich wie ein Frühstück und doch so wunderbar, weil wir plötzlich Gott darin erkennen.


Liebe Grüße
Peter
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