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Liebe und Leidenschaft führen zur Verbundenheit mit Gott

in Gott und die Welt 12.06.2021 15:47
von Peterbacsi • Admin | 3.590 Beiträge

Ich will mit ihnen eine wahre Geschichte teilen, die ich vor Jahren in einem Workshop gehört habe. Sie bewegt und begleitet mich bis heute und gehört zu meinen Lebens- und Glaubensschätzen. Diese wahre Geschichte führt uns nach Mexiko-Stadt. Ein chronisch kranker Mann lebt dort in einem Stadtviertel, das zu einer Großpfarrei mit über einer Million Gläubigen gehört. Aufgrund seiner Erkrankung kann er nicht in die Kirche gehen und wendet sich an die Pfarrei mit dem Wunsch nach Krankenkommunion. Nun ist guter Rat teuer, denn der Pfarrer und einige Mitarbeiter können in dem riesigen Pfarreigebiet unmöglich alle Kranken besuchen und ihnen die Kommunion bringen.

So hat man folgenden Weg gewählt. Man sucht in der Pfarrkartei nach Christen, die in der gleichen Straße wohnen, und lädt sie zu einem Treffen ein. Einige kommen, hören sich das Anliegen an und sind am Ende bereit, diesen kranken Mann in ihrer Straße zu besuchen und ihm abwechselnd die Kommunion zu bringen. Sie haben sich vorher nicht gekannt, nichts voneinander gewusst. Jetzt kommen sie regelmäßig zusammen, um sich in ihren Dienst einführen zu lassen und sich abzusprechen. Bei ihren Besuchen merken sie, dass der Mann keine Familie oder Freunde hat, er lebt allein, isoliert. Er sehnt sich nach Ansprache und braucht auch ansonsten Hilfe beim Einkaufen, bei Arztbesuchen usw. die Gruppe beginnt, sich um ihn zu kümmern. Bald verlegen sie ihre Treffen zu ihm nach Hause, beten dort, lesen in der Heiligen Schrift, feiern Gottesdienst.

Der kranke, nicht mobile und isolierte Mensch ist vom Rand in die Mitte gerückt, um ihn herum sind Menschlichkeit und Solidarität entstanden, eine Lebens- und Glaubensgemeinschaft, lebendiges Christ- und Kirche-sein. Dieser Weg ist ein Modell geworden, wie die Pfarrei auch mit anderen, chronisch kranken Menschen umgeht. An dieser Geschichte lässt sich viel für uns und unsere aktuelle Situation ablesen – in Gesellschaft und Kirche; zum Beispiel, was entstehen kann, wenn Menschen sich über sich selbst hinaus ansprechen lassen von der Not und dem Bedürfnis eines anderen und sich verbinden, um gemeinsam und kreativ Menschlichkeit zu gestalten und selbst menschlicher zu werden.

In Wissenschaft und Medizin sind Anstrengung, Leidenschaft und Kreativität gefragt, um gemeinsam Krankheiten wie das Corona-Virus zu bekämpfen. Zum Glück gibt es deshalb jetzt verschiedene Testverfahren und Impfmöglichkeiten. Aber auch auf der Ebene der Menschlichkeit (im Ganzen) sind wir mit unserer Kreativität, Leidenschaft und Anstrengung gefragt.

Warum mussten so viele Senioren in ihren Einrichtungen isoliert und einsam bleiben oder ohne Beistand ihrer Familie sterben? Hätte es hier nicht viel früher – zumindest nach der Angststarre – andere, kreative Lösungen geben können/ müssen, die Sicherheit und Menschlichkeit verbinden? Warum wurden diese und andere Menschen mit ihren psychosozialen Bedürfnissen nicht in die Mitte der Anstrengungen gerückt? Welchen Stellenwert hat Menschlichkeit, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt, in Politik, Gesellschaft, Kirche, wenn es darauf ankommt? Diese und weitere lebenswichtige Fragen stellen sich uns durch die Pandemie – nicht neu, aber verschärft und drängender.

Das Beispiel aus Mexiko-Stadt und viele andere gelungenen Beispiele können uns zu kreativer Menschlichkeit motivieren.

Die Bibeltexte des Sonntags ermutigen zur Verbundenheit („damit sie eins sind wie wir“), nicht zu Spaltungen und Hass. Das Böse wirkt spaltend und vernichtend, Liebe und Leidenschaft für andere (also nicht zur eigenen Ermächtigung) retten, bewahren und führen zur Einheit (in Vielfalt und Verschiedenheit), zur Verbundenheit mit Gott und untereinander. Oder anders: Wo Liebe und Verbundenheit gelebt werden, da ist Gott erlebbar, als liebender und einender Ursprung allen Lebens und aller Menschen. Dafür ist Jesus Christus, wie er uns durch das Johannesevangelium vor Augen geführt wird, das beste Beispiel und unsere Hoffnung.


Liebe Grüße
Peter
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